
Ein Familien Reading legt fünf Menschen nebeneinander, ein Partnerschaft Reading legt zwei Menschen übereinander wie zwei Folien auf einem Leuchttisch. Genau dieser Unterschied trägt diesen Erfahrungsbericht rund um das Partnerschaft Reading und Human Design im Alltag zweier Menschen, die sich denselben Flur teilen.
Jonas hat mir das Reading letztes Jahr geschenkt, für uns zwei, nach einem Weihnachtsbesuch, der ziemlich außer Kontrolle geriet. Spannender finde ich inzwischen die Technik dahinter als die Frage, wer wem widerspricht; deshalb bleibt dieser Text nah an der Methode und kaum am Privaten. Auf familienspiegel.com nutze ich Affiliate-Links zu Readings, die ich selbst gekauft habe, darunter die Links zum Partnerschaft Reading; bestellst du darüber etwas, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.
Warum ein Partnerschaft Reading anders liest als ein Familien Reading
Das Familien Reading haben wir zuerst gekauft, für alle fünf auf einmal. Darin steht jeder Typ für sich: Generator, Manifestor, Projektorin, Reflektorin. Die Grundtypen selbst habe ich an anderer Stelle im Vergleich durchdekliniert, hier geht es nur um das Zusammenspiel zwischen zweien. Unsere Altbauwohnung in Köln-Sülz ist klein, drei Zimmer, viele Bücher, wenig Stauraum, aber Platz genug für zwei Reading-PDFs nebeneinander auf dem Küchentisch. Das Partnerschaft Reading dagegen legt zwei Charts als ein Bild übereinander und zeigt, welche Kanäle zwischen genau diesen zwei Menschen durchgehend definiert sind, nicht bei jedem einzeln, sondern zwischen ihnen.

Ich dachte zuerst, das Partnerschaft Reading sei einfach ein kleineres Familien Reading, zwei Seiten statt fünf. Ist es nicht. Ein durchgehend definierter Kanal zwischen zwei Charts bedeutet, dass eine Person dort strukturell den Ton angibt, nicht aus Charakter, sondern weil der Kanal bei ihr fest verdrahtet ist und bei der anderen offen bleibt. Welche Zentren offen sind und was das mit der eigenen Stimmung macht, ist noch einmal ein eigenes Kapitel, das ich an anderer Stelle aufgeschlüsselt habe.
Am Holztisch im Lesesaal, zweiter Stock, wo die Deckenleuchten noch aus den Neunzigern ein leicht gelbliches Licht werfen, gehen mir solche Gedanken oft dienstagvormittags durch den Kopf, wenn das Rückgabe-Regal links von mir mal wieder nicht sortiert ist. Bei der städtischen Familienberatungsstelle in Sülz war ich vor dem Reading auch schon, mit einer allgemeinen Frage zu Erziehungsstilen im Haushalt. Die Beratung war freundlich und half bei Tagesstruktur-Fragen, ging aber nicht auf die spezifische Kombination zwischen zwei bestimmten Menschen ein; dafür ist ein allgemeiner Termin auch nicht gemacht. Meine Kollegin Regula Pfaum aus der Filiale Ehrenfeld fragt mich inzwischen regelmäßig nach dem Blog, ohne ihn, glaube ich, wirklich zu lesen; letzten Dienstag wollte sie wissen, ob das mit den Kanälen jetzt so ähnlich sei wie bei Sternzeichen. Ist es nicht, aber die Frage kommt oft.
Funktioniert die Methode auch bei anderen Zweier-Konstellationen?
Eine Leserin aus Münster, Florinde Seipp, Mutter von drei Kindern, hat mir vor einigen Monaten geschrieben und gefragt, ob sich das Partnerschaft Reading auch für zwei Geschwister oder für Mutter und Tochter lesen lässt, nicht nur für das Paar, das auf der Verpackung steht. Genau diese Frage hat mich zwei Charts noch einmal anders lesen lassen, diesmal nicht Jonas und mich, sondern mich und meinen Bruder Tilman. Wie ein komplettes Familien Reading mit Konflikten über drei Generationen umgeht, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben; hier geht es nur um das Zweier-Format.
Sonntagnachmittag, kurz vor drei, standen wir vor dem Elefantenhaus im Kölner Zoo, meine Eltern, Jonas, die Kinder und ich. Ben als kleiner Manifestor lief einfach los in Richtung Affenhaus, ohne zu fragen, während Jonas als Generator erst einmal stehen blieb und wartete, bis ihn jemand etwas fragte, das er beantworten konnte. Zwei völlig verschiedene Startmotoren, und keiner davon ist falsch; es ist dieselbe Mechanik wie im Partnerschaft Reading, nur mit mehr Publikum und einem Eis in der Hand.
Zwei Startmotoren, ein Elefant, kein Drama.

Drei Schritte, wie ich ein Zweier-Chart lese
Der erste Schritt ist simpel: offene und definierte Zentren zwischen beiden Charts nebeneinanderlegen und sehen, wer wo die feste Struktur mitbringt. Der zweite Schritt: die durchgehend definierten Kanäle markieren, denn dort bestimmt in der Regel die Person mit der festen Verdrahtung den Ablauf, ohne dass daraus automatisch ein Machtkampf wird. Wie emotionale Autorität bei Familienentscheidungen zusätzlich hineinspielt, ist noch einmal ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle behandle. Der dritte Schritt ist der unbequemste: die eigene Reaktion zuerst bei sich selbst suchen, bevor man sie der anderen Person anlastet.
Vierzig Minuten standen Tilman und ich neulich im Stau, auf der Rückfahrt von seiner Wohnung, und es fiel kein einziges scharfes Wort. Vor dem Zweier-Chart hätte ich das nicht für möglich gehalten, weil ich seine Kanäle bis dahin ziemlich falsch eingeschätzt hatte. Wer nach diesem ersten Durchgang tiefer in eine einzelne Person einsteigen will, für den ist das Fortgeschritten I Reading der nächste Schritt, aber erst, wenn die Grundlagen sitzen.
Wo die Methode an ihre Grenzen kommt
Grenzen hat die Methode auch. Sie erklärt Mechanik, keine Vorgeschichte, und sie ersetzt keine Beratung, wenn es zwischen zwei Menschen wirklich festgefahren ist; dafür braucht es jemanden mit Ausbildung, nicht ein PDF. Was das Partnerschaft Reading aus meiner Sicht trotzdem leistet: Es liefert eine Landkarte für zwei Menschen, keine Lösung, aber einen Ausgangspunkt, von dem aus man weiterfragen kann. Ich bin Bibliothekarin, keine Therapeutin, und ich behandle das Reading auch so: als Nachschlagewerk, nicht als Diagnose.
Florinde aus Münster hat inzwischen auch bei ihren beiden Töchtern nachgelesen, mit ähnlichem Ergebnis: weniger Rätselraten, mehr Fragen, die tatsächlich zur Chart-Konstellation passen. Das Wurzelzentrum, das bei Bens abendlicher Unruhe eine so große Rolle spielt, tickt in einer Zweier-Konstellation übrigens noch einmal anders, aber das ist wieder ein eigener Text. Zwei Charts nebeneinanderzulegen bleibt für mich das nützlichste Werkzeug im Regal, gleich nach einem guten Karteikasten.